*Don Pasquale-Opernhaus Zürich | Oper und Kultur

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*Don Pasquale-Opernhaus Zürich | Oper und Kultur

Don Pasquale - Opernhaus Zürich

Lachen und Weinen
Ohne Zweifel, das Opernhaus Zürich ist Festlaune! Mit der Premiere von Donizettis "dramma buffo" gibt Christof Loy in seiner Inszenierung dem in die Tage gekommenen Edelmann ein ganz neues Gesicht. Auch wenn dieser damit nicht viel zu lachen hat. Das Publikum kommt, dank der Verkörperung der beiden Hauptfiguren Don Pasquale und Norina, diesbezüglich voll auf seine Kosten.

Komisches Drama
Als Gaetano Donizetti das "dramma buffo" (Komisches Drama) schrieb, war er bereits schwer an Syphilis erkrankt. Wohl schuf er damals in seiner Pariser Zeit und mit der Ahnung, dass sein Tod bald eintreten würde, eine Unzahl an Werken in kürzester Zeit. Don Pasquale war sein Drittletztes, das 1843 im Théâtre-Italien uraufgeführt wurde. Direkt danach brach die Krankheit beim damals erst 46-jährigen Komponisten vollends aus.

In Anlehnung an diese Lebensphase gibt Christof Loy in seiner Inszenierung dem alternden Edelmann Don Pasquale eine Richtung, die sich gänzlich von abgenutzten Klischees unterscheidet. Der ansonsten lächerlich gemachte Tattergreis, der von der jungen Sirene um die Nase geführt und nach Strich und Faden ausgenutzt wird, gewinnt plötzlich eine melancholische Seite und zeigt sich zuletzt in der Tragik der vollkommenen Einsamkeit. Die grandiose Komik und das Schauspieltalent beider Hauptdarsteller sorgt dennoch für Belustigung und tosenden Beifall.

Des Einen Freud, des anderen Leid
Anfangs stehen die Karten gut für den in die Jahre gekommenen Don Pasquale. Die Leere an seiner Seite lässt ihn nach dem frischen Wind einer jungen Frau sehnen. So folgt er seiner Vorstellung einer gesitteten, bescheidenen Keuschheit. Doch die mit allen Wassern gewaschene Norina rauscht letztlich wie ein alles aufwühlender Orkan durch sein Haus.

Mit Hilfe ihres Bruders "dottor malatesta" (schlechter Kopf) lässt die junge Witwe den hoffnungslos verliebten Ernesto scheinbar links liegen und stürzt sich als Schein-Ehefrau Don Pasquales in die gehobene Gesellschaft. Als Ernesto von den Heiratsplänen seines Onkels erfährt will er das Haus verlassen. Als ihm aber"dottor malatesta" eröffnet, dass das ungleiche Paar eine Scheinehe eingehen soll, wendet sich langsam das Blatt.

Lächerlich oder tragisch?
Die Rolle der Norina scheint Julie Fuchs perfekt auf den Leib geschrieben zu sein. Markant ist dabei nicht nur ihr schauspielerisches Talent, mit dem sie in die zahlreichen Aspekte Ihrer Rolle schlüpft und mit einem saukomischen Talent auskleidet. Auch ihre klare, wendige Sopranstimme führt sie mit Leichtigkeit und Perfektion in alle Partien bis hin zum bitteren Ende des Einen und er süssen Erfüllung des Andern aus. Spritzig und lasziv sieht sie die Regie, einen Liebhaber nach dem anderen bedienend. Später auch gespielt bescheiden, träumerisch verliebt und zuletzt sogar voller Mitleid zum alten Narren, nachdem sie ihn kalt lächelnd in den Ruin getrieben hat.

Die Lektion der jungen Sirene, muss Johannes Martin Kränzle als Don Pasquale als bittere Pille schlucken. Auch er zeigt mit seiner Baritonstimme, die höher ausfällt als vom Komponisten vorgesehen, alle Facetten eines Schwerenöters, der seine besten Jahre schon hinter sich hat. Blind will er sich in die Ehe mit der jungen Norina stürzen, der er in keiner Weise gewachsen ist. Ebenfalls mit grossem humoristischem Schauspieltalent ausgestattet, zeigt er am Ende die ganze Zerbrechlichkeit eines alten Narren.

Echte Entdeckung
Einen sanften und gefühlvollen Kontrast dazu bietet Mingjie Lei als Ernesto. Anfangs an die Seite des Geschehens gedrängt bleibt er in seiner Hoffnung standhaft. Der lyrische Tenor ist für das Opernhaus wie versprochen eine echte Entdeckung. Zeigt er sich doch in der ganzen Bandbreite seiner Emotionen mit perfekt ausgeführten Arien, die zeitweise echten Gänsehauteffekt auslösen.

Konstantin Shushakov zeigt sich als „dottor malatesta“ aufrechter, als es sich nach Ruffinis Libretto vorstellen lässt. Mit bodenständigem Bariton ausgestattet bietet er aber ein Hörvergnügen, das sich gekonnt zwischen den Hauptfiguren hin und her bewegt.

Neuer Ansatz
Enrique Mazzola, der das Stück bereits unzählige Male dirigiert hat, folgt in seiner neuen Vertonung ebenfalls den Spuren der Geschichte. Zusammen mit der Philharmonia Zürich und dem Chor der Oper Zürich zeichnet er feine Akzente, die vom verschwenderischen Leben bis hin zur Melancholie der Einsamkeit hinein reichen. Musikalisch erstklassig reisst er das Publikum mit und eröffnet ihm genau wie die Inszenierung neue Kontraste.

Alles in Allem eine lustvolle Aufführung, die zwischen Nachdenklichkeit und Belustigung alles bietet.


Weitere Aufführungen bis zum 9. Januar 2020
Infos und Tickets

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Carmela Maggi
11. Dezember 2019